Capoeira

Die Geschichte der Capoeira

Grundsätzlich lässt sich die Entwicklung dieser Kampfkunst in drei Phasen einteilen: Capoeira der Sklavenzeit, Capoeira in der Illegalität, und schließlich die Phase der sozialen Anerkennung und der Entwicklung von Capoeira als Sport (vgl. Capoeira 1998).

Capoeira der Sklavenzeit

Wenig ist über die Ursprünge dieser Kampfkunst bekannt. Die meisten Historiker/innen stimmen jedoch darin überein, dass sie sich auf der Grundlage der Vermischung verschiedener Bewegungsmuster, Verteidigungstechniken und Traditionen, die von Sklav/innen aus verschiedenen Teilen Afrikas mitgebracht wurden, in Brasilien entwickelte. Die Entwicklung von Capoeira ist Teil einer kollektiven Reaktion der verschleppten Afrikaner/innen, die einen Ausweg gegen wirtschaftliche Ausbeutung, gewaltsame Unterdrückung und Verachtung ihrer Traditionen bzw. kulturelle Assimilation an die portugiesische Kolonialmacht suchten. Aus einer Vielheit von afrikanischen Kulturen entstand unter dem Druck der Kolonialherrschaft durch den Widerstand der Sklav/innen eine neue, gemeinsame, afrobrasilianische Identität. Innerhalb der vielfältigen Ausdrücke dieser Rebellion befand sich vermutlich auch die ursprüngliche Form der Capoeira.

Über ihre genauen Bewegungsformen sind nur wenige Überlieferungen vorhanden, da die afrobrasilianische Kultur nicht als dokumentationswürdig galt. Fest steht jedoch, dass das Einbringen tänzerischer Elemente zur Tarnung des Kampfkunsttrainings eine Legende ist -Capoeira ist kein Kampftanz, und die spielerischen und tänzerischen Elemente in ihr sind späteren Entwicklungen geschuldet.

Capoeira in der Illegalität

Gegen Ende der Sklaverei in Brasilien traten andere Probleme in den Vordergrund. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts hatten die befreiten Sklav/innen keine materielle Grundlage mehr und sammelten sich in den wachsenden Armutsvierteln der Städte. Capoeira war zu dieser Zeit Verteidigungstechnik der Kleinkriminellen und des städtischen Subproletariats und als solche auch Form der Auflehnung gegen die Staatsgewalt. Auch wenn Capoeira schon während der Sklaverei illegal war und der Übergang von einer Phase zur nächsten fließend geschah, so gilt die Zeit der Marginalisierung dennoch als Höhepunkt der Repression - „Capoeiragem“, also das Ausüben von Capoeira, war einer der am härtesten bestraften Delikte im damaligen brasilianischen Strafkodex.

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